2020: Alles BIM in Deutschland?

Spätestens in vier Jahren sollen Bundes-Verkehrsbauten ausschließlich im BIM-Verfahren geplant werden, nachzulesen im Stufenplan des Verkehrsministeriums. Es ist zu erwarten, dass das Bauministerium nachzieht und die einmal erarbeiteten Richtlinien zügig in nachgeordneten Abteilungen auch auf Landes- und Kommunalebene gelten werden.

Zur Erinnerung: „Building Information Modeling (BIM) bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“ (Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur, Stufenplan Digitales Planen und Bauen, vorgestellt 15.12.2015).

Das wirkt vertraut, die HOAI nennt folgende Grundleistungen in der Vorplanung (Leistungsphase 2, Projekt- und Planungsvorbereitung):

d) Klären und Erläutern der wesentlichen Zusammenhänge, Vorgaben und Bedingungen (zum Beispiel städtebauliche, gestalterische, funktionale, technische, wirtschaftliche, ökologische, bauphysikalische, energiewirtschaftliche, soziale, öffentlich-rechtliche)

e) Bereitstellen der Arbeitsergebnisse als Grundlage für die anderen an der Planung fachlich Beteiligten sowie Koordination und Integration von deren Leistungen … (HOAI, §34, Anlage 10.1 Leistungsbild Gebäude und Innenräume).

Planungstheoretisch stellt BIM also keine neuen Anforderungen, wohl aber technisch: Konkret gefordert werden digitale 3D-Modelle einschließlich diverser Metadaten und Planunterlagen von Architekt und Planungsbeteiligten sowie der regelmäßige Abgleich derselben. Für das Verkehrsministerium hat die Gesellschaft Planen – Bauen 4.0 bereits für Auftragnehmer wie Auftraggeber verbindliche Mindestanforderungen bezüglich Daten, Prozesse und Qualifikation im BIM-Verfahren festgelegt:

Planungsbeteiligte erstellen eigene Modelle, die regelmäßigen Konsistenzprüfungen standhalten müssen (Open BIM). Geforderte Datenformate müssen herstellerneutral, Hard- und Software frei verfügbar sein, Software soll nicht vorgeschrieben werden. Die Nutzungsrechte an den Modellen müssen vertraglich festgelegt werden, die Haftung für die Modelle liegt beim jeweiligen Planer.
Der Auftraggeber hat einen BIM-Abwicklungsplan (Art, Detailtiefe, Umfang und Lieferdatum der Planungsdaten) zu erstellen und zu verfolgen bzw. kann dies einem Auftragnehmer übertragen. Eine gemeinsame Datenumgebung ist technisch vorzuhalten. Datenmengen sollen sich nach den Nutzungsanforderungen, nicht nach den technischen Möglichkeiten richten. Dem Planungsablauf wird ein Referenzprozess, abgeleitet aus planungstechnisch bewährten Bauvorhaben, zugrunde gelegt.
In der Vergabe ist zu klären, ob Auftragnehmer nach den genannten Spezifikationen arbeiten können und ob sie zur verfahrensimmanent engen Kooperation („partnerschaftlichen Zusammenarbeit“) bereit sind.

Soweit einige Details aus der nahen Planungszukunft, dargestellt im Stufenplan Digitales Planen und Bauen. Oben wurde die Korrelation von BIM-Planungs- und Kooperationstheorie und den Anforderungen der HOAI genannt – noch aber, im Kontext aktueller Planungswirklichkeit, befürchten Architekten ungemütliche und arbeitsreiche Festlegungen in einer Planungsphase, die immer noch lieber mit dem freundlich-unscharfen 6B assoziiert wird. Die Technik haben wir aber bereits, wir müssen sie nur anders nutzen lernen.

BuildingSmart Forum Berlin 2015

Die inspirierendsten Vorträge kamen von Arvo Kiviniemi, Stefan Traxler und Alexander Rieck. Hier zusammengefasst ihre wichtigsten Thesen zu BIM in der Hochbauplanung.

Arvo Kiviniemi: In den Ländern mit hohem BIM-Entwicklungsstand (Finnland, UK) hat der Staat die Implementation vorangetrieben. Speziell in UK waren auch die Planungsfirmen proaktiv. Die technischen Voraussetzungen für BIM bestehen längst, kooperative Planungskultur ist unterschiedlich entwickelt, universitäre Aussbildung ist rückständig (- auch in UK). Grund für akademisches Zögern: Neue curriculare Inhalte erfordern das Aufgaben alter Inhalte.

Stefan Traxler: BIM ermöglicht simultanes Erfassen aller notwendigen Informationen so früh wie möglich. BIM-gemäß erfolgen Festlegungen im Planungsverlauf weiter vorn in den Leistungsphasen, damit ist aber auch der Bauherr früher auf ein verabredetes Programm festgelegt – es ist früher mehr bekannt und geklärt, damit kann hintenheraus effizienter = kostengünstiger geplant werden. BIM-Planung fordert Team-Kompetenz im Projekt, ein Verständnis der Planungsbeteiligten als gleichberechtigte Partner. Architekten können gute Architektur durch BIM-Arbeitsweise besser verkaufen (Kosten-, Terminsicherheit). Gerade kleinere Büros können mit BIM höhere Performance erlangen. Es gibt zu wenig BIM-Experten, sehr wenige Frauen darunter. Wünschenswert ist ein höherer Verbreitungsgrad technischer und Kooperationskompetenz bei den Mitarbeitern.

Alexander Rieck: Hochbau ist der konservativste Bereich der Wirtschaft. Planung erfolgt mehrheitlich sequentiell und variantenarm, iteratives Optimieren ist strukturell aufwendig, Revisionen von Planungsständen nur begrenzt möglich. BIM-Planung erleichtert Planung in Alternativen, der Entscheidungsspielraum für Optimierungen wird erweitert. BIM ist nur ein Code für eine andere Planungskultur.